Veröffentlicht in Allgemein, Stricken

Wie man einen Islandpullover in einer Woche strickt

   

Kennt ihr das, wenn plötzlich, wie aus dem Nichts eine Idee in eurem Kopf auftaucht, ihr euch ein bisschen damit beschäftigt und dann mit einem Mal so begeistert seid, dass ihr diese Idee unbedingt sofort umsetzen müsst?

So ging es mir mit der Idee, einen Islandpullover zu stricken. Ich habe schon lange nichts größeres mehr gestrickt, hatte immer mal wieder Lust zu stricken, aber keine richtigen Ideen, was ich gerne machen würde… Von gestrickten Kleidungsstücken hatte ich mich eigentlich verabschiedet, weil ich bei den wenigen Kindersachen, die ich gestrickt habe die Nähte immer so blöd fand. Und dann war da auf einmal die Idee: „Ich könnte ja einen Islandpullover stricken!“ Wo genau diese Idee herkam, weiß ich nicht. Ich weiß, dass ich auf der creativa im März an einem Stand mit Islandpullover-Stricksets vorbeigelaufen bin, aber ich bin nichtmal dort stehen geblieben. Trotzdem scheint sich das irgendwie in mein Unterbewusstsein geschlichen zu haben.

Wie das so ist, wenn ich von einer Idee gepackt werde, führte der erste Weg ins Internet. Ich habe einiges zu Islandwolle und Islandpullovern gelesen, Strickmuster gewälzt und verglichen und mich schließlich für das kostenlose Strickmuster „Afmaeli“ von istex (der größte Wollproduzent Islands) entschieden und Wolle bestellt.

Weil ich die Wartezeit überbrücken wollte, habe ich erstmal mit anderer Wolle aus meinem Vorrat Testmuster gestrickt und meine (nur rudimentär vorhandenen) Fair-Isle-Kenntnisse wiederbelebt. Gar nicht so einfach. Viele Videos und Versuche später, stellte ich fest, dass das mit dem zweihändig stricken (also eine Farbe um die Finger der einen und die andere Farbe um die Finger der anderen Hand gewickelt, zu sehen zum Beispiel hier.) für mich einfach nicht funktioniert und beschloss, bei meiner etwas komplizierteren Variante zu bleiben, und den Faden einfach bei jedem Farbwechsel neu um den Finger zu wickeln.

Ein paar Tage später war dann ein großes Paket mit Islandwolle da, an einem Freitag. Samstag morgen habe ich angefangen und den Bund für den Body angeschlagen. Islandpullover werden üblicherweise von unten in Runden gestrickt. Erst strickt man den Körper und die Ärmel einzeln in Runden, dann wird alles auf eine große Rundstricknadel genommen und zusammengestrickt in einer großen bunt-gemusterten Schulterpasse.

Mehr oder weniger das ganze Wochenende habe ich mit dem Stricken des Bodys verbracht, einen großen Teil davon im Garten in der Sonne sitzend. Das war, nachdem das Bündchenmuster und die Musterkante am Bund geschafft war, nicht besonders spannend. Glatt rechts in Runden, man kann also nichtmal wenden…

Trotzdem hat auch das viel Spaß gemacht. Die Wolle liegt sehr angenehm in der Hand, ich mag Wolle, die etwas robuster und griffiger ist, und das trifft auf die Islandwolle definitv zu. Ich hatte zwischendurch Sorge, dass der Pullover zu kratzig werden würde, kann aber hier schon mal Entwarnung geben: dadurch, dass man eh meist etwas drunter trägt, kratzt der Pullover nicht besonders.

In der darauf folgenden Woche war ich auf Seminar, was dazu führte, dass ich zwar während der Seminarzeit kaum gestrickt habe, aber dafür eine freie Mittagspause und freie Abende in der Jugendherberge hatte, die ich mir ganz hervorragend mit Stricken und einem Hörbuch („Sturz der Titanen“ von Ken Follett) vertrieben habe. Als Resultat der Woche waren Freitag dann Body und beide Ärmel fertig und die drei Teile auch schon zusammengestrickt. Das Zusammenstricken war etwas kompliziert, man kettet am Body in der letzten Runde an zwei Stellen (dort wo die Ärmel angesetzt werden) einige Maschen ab, genau einige Maschen pro Ärmel. Nun werden Ärmel und Body zusammen auf eine große Rundstricknadel genommen und einige Runden darüber gestrickt, um alles miteinander zu verbinden.

Der Brust- und Rückenbereich wird in einer Rundpasse gestrickt, die gemustert ist und den typischen Islandpulli-Look ausmacht. Durch das mehrfarbige Muster mit den mitgeführten Fäden ist das Gestrick in diesem Beriech dicker, was beim Tragen sehr angenehm ist, da es gerade diesen Bereich schön warm hält. Durch Abnahmen in den Runden der Passe wird die Schulter geformt.

Die gemusterte Passe habe ich mir für Samstag aufgehoben, zu Hause hatte ich dann doch etwas mehr Ruhe für das durchaus konzentrationsintensive Muster. Das Stricken der Passe machte super viel Spaß, man konnte förmlich sehen, wie der Pullover mit jeder Reihe mehr Gestalt annahm und mit Abnahme wurden auch die Runden etwas kürzer. Die Passe wurde an dem Samstag dann auch noch fertig, hab aber auch nicht viel anderes gemacht an dem Tag.

Am Sonntag wurden noch alle Fäden vernäht und eingewebt (die Aufgabe, die ich bei der ganzen Strickerei am wenigsten mag, aber was muss, das muss) und der Pullover gebadet und zum Trocknen in der Sonne auf dem Gartentisch ausgelegt.

Sobald der Pullover trocken war (hat einige Stunden gedauert) musste er natürlich anprobiert werden und ein paar Fotos geschossen werden.

Werbeanzeigen

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s